Papa

…. es ist schwer dich so zu sehen. Alt werden ist nicht einfach. Besonders für dich nicht. Hübscher Mann mit schwarzen Locken und grünen leuchtenden Augen. Bist du einmal gewesen. Nun gehst du gebückt, dein Haar ist schneeweiß und du bist alt. Und willst es nicht sein. Und ich stehe daneben und sehe dabei zu, wie die Zeit an dir nagt. Und du bist kraftlos und willst nicht aufstehen. Was soll ich tun? Wie soll ich sein? Nach all unseren Kämpfen in der Vergangenheit…. vergeben, vergessen, verzeihen? So leicht dahingesagt – und so schwer in der Realität. Ich darf nicht denken sondern nur handeln. Du bist ein Job, den ich erledigen muss. Wenn ich beginne zu fühlen, dann wird es mich runterziehen. Ist das Egoismus? Papa, sag mir, wie soll ich sein…..

Tag 2

bin sehr müde…. draußen strahlt die Sonne und ich will schlafen. Das ist doch nicht normal. Ich habe Lust etwas zu essen…. aber es wird nachher ein Knäckebrot geben mit Frischkäse und Tomaten. Und für heute Abend erlaube ich mir Brokkoli mit Hähnchenfleisch. Den Reis lasse ich vielleicht weg. 

Wenn ich über das Essen oder nicht Essen nachdenke, denke ich nicht über andere Dinge nach… das kann auch gut sein….

Sucht

Ich fühle mich wie ein Süchtiger…. meine Gedanken kreisen nur um diese kleinen Leckereien, die ich mir abends so gern gegönnt habe… seit Stunden versuche ich mich abzulenken. Ich trinke Wasser wie eine Verdurstende. Aber Durst habe ich nicht…. ich will Käse…. ich will Rotwein…. das macht keinen Spaß!!! 

Tag 1

….komisch, wenn man ständig ans Essen denkt…. gestern Abend noch zwei Scheiben Knäckebrot mit Frischkäse gegessen und eine halbe Flasche Wasser getrunken. Später um 23.15 Uhr knurrte mein Magen… ich habe mich zur Seite gelegt und bin eingeschlafen… wahrscheinlich ist Schlaf das beste Mittel gegen und für alles. Heute Morgen beschäftigt mich die Frage, wie werde ich diesen Tag überstehen ohne daran zu denken, dass ich meine Rituale verlassen muss? 

Experiment

Vielleicht liest ja jemand mit? Vielleicht will jemand wissen, wie es mir geht? Ruhe und Kampf. Seele und Angst. Kokon gesprengt und Ängste verdrängt. Stille im Kopf. Nur Rauschen von Meer. Sag es ganz laut, dann willst du es mehr…. ist es gewagt? Ein Experiment…. 

Weg damit

….. hab mir soeben überlegt mein Gewicht nicht mehr mit mir rumtragen zu wollen….. ob ich es schaffe, mich von meinen liebgewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden? Vom Rotwein und Käse? Von Kräckern und Chips? Von Schokolade und Keksen? Ist mein Wille stark genug? Ich weiß, dass ich es kann! 

Vielleicht hilft es mir, wenn ich jeden Tag aufschreibe, was ich gegessen habe….. 

mit weniger Gewicht zu mehr Kraft…. kann das gehen? 

Gedankenschublade

Es gibt nicht viele Dinge, an die ich mich immer wieder erinnere….. viele Dinge habe ich einfach verdrängt…. in eine Gedankenschublade gepackt, damit sie da drin bleiben….. aber einige lassen sich nicht einsperren….

Wenn Mama in Stimmung war, also den Tag mit Sekt feierlich begossen hatte, dann lief sie, bestens gelaunt durch die Wohnung und hatte den Drang, etwas unternehmen zu wollen. Meist wollte sie in die Stadt. Ich war damals noch klein und fand es einfach nur toll, mit ihr losgehen zu können. Mit meiner lieben Mama an der Hand in die Stadt. Manchmal bekam ich eine Kleinigkeit von Lego oder Playmobil. Wir gingen in viele Geschäfte. In manchen spielte ich Verstecken zwischen den Kleidern…. 

Das war die schöne Zeit. 
Zuhause wollte ich mit Mama weiterspielen. Aber sie wollte nicht. Sie war müde….. und wollte sich ausruhen….  

Meine Oma

Meine Oma war eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Ich habe sie bewundert. Für ihre Kraft, ihre Courage, ihre Kreativität und für eigentlich alles. Ich durfte sie nicht Oma nennen. Das wollte sie nicht. „Ich bin keine Oma!“ Das war ihr sehr wichtig. Sie zog sich auch nicht an wie andere Omas das damals zu tun pflegten. Sie trug Hosen und sportliche Polohemden. Sie reiste allein, denn von ihrem Mann hatte sie sich schon getrennt, als das für Frauen noch völlig unschicklich war. Sie malte, spielte Akkordeon und Klavier und verstand sich auch aufs Rum trinken, ohne unter dem Tisch zu landen. Meine Oma war grandios. Ich wollte später auch so werden wie sie. Bei ihr schmeckte der Kakao am besten und das Brot. Sie war mein Hafen und mein Leuchtturm……. 

bis zu dem Tag, an dem ich mich traute, ihr zu sagen, dass ich glaube, dass Mama trinkt……. 

Der Takt

Wenn meine Mama und ich zusammen sind, ist das Harmonie. Ich höre ihre Stricknadeln klappern während ich spiele. Das Klappern ist wie ein Rhythmus für mich, der mir zeigt, dass alles im Takt ist. Ich spiele – sie strickt. So muss das sein. Aber irgendwann hört das auf einmal auf. Meine Mama sitzt nicht mehr mittags in ihrem Sessel und strickt. Sie wird müde und will schlafen. Aber ich will nicht, dass sie schläft. Sie soll da sein und bei mir sein. Ich bettel und flehe: „Nein! Nicht schlafen! Nicht schlafen!“ Aber sie legt sich trotzdem hin. Erst auf das Sofa im Wohnzimmer, dann ins Bett im Schlafzimmer. Und dann ist sie weg. Ich bin allein im Wohnzimmer und es tickt nur die Uhr und die Stricknadeln klappern nicht…..

Schwer

Es kommt in Wellen. Wenn die Stimmen im Kopf so laut werden, dass alle da draußen sie hören müssten. Dann aufraffen, weitergehen, nicht stehenbleiben. Zulassen ist schwer. Der Kopf pocht und hämmert und die Augen werden müde. Aber Schlaf ist verboten. Schlaf darf nicht sein. Dann bleibst du liegen und wartest auf ein Ende. Ich bin müde. Möchte liegen und die Augen schließen.  Vielleicht wird alles dann besser? Vielleicht schweigen dann auch die Stimmen…. Kopf tut weh….. Augen schwer…. Alles schwer wie Blei . …